
Nicht jede Exkursion bleibt einem wirklich im Kopf – diese schon. Rechtsmedizin wird oft mit vielen Stereotypen verbunden, vor allem durch Krimiserien, Gerichtsfilme oder spektakuläre Verbrechen. Unser Kurs hatte die Gelegenheit, das Institut für Rechtsmedizin an der LMU zu besuchen und einen realistischeren Einblick in dieses Fachgebiet zu bekommen.
Schon bei den Vorträgen am ersten Tag wurde schnell klar, dass hinter der Rechtsmedizin viel mehr steckt, als man sich zunächst vorstellt. Wir sprachen unter anderem darüber, welche Rolle die DNA bei der Aufklärung von Fällen spielt und wie Rechtsmediziner mit dem Thema häusliche Gewalt konfrontiert werden. Gerade solche Einblicke zeigen, wie eng Medizin, menschliche Schicksale und kriminalistische Arbeit in diesem Fachgebiet miteinander verbunden sind.
Besonders eindrucksvoll wurde die Exkursion jedoch mit der Sectio am zweiten Tag. Anatomie war plötzlich nicht mehr nur etwas Theoretisches, sondern wurde direkt vor uns sichtbar. Man kann Tausende von Stunden über Anatomie-Lehrbüchern und -Atlanten verbringen. Doch ohne einen echten menschlichen Körper auf dem Obduktionstisch gesehen zu haben, ist es sehr schwierig, vielleicht sogar unmöglich, wirklich zu verstehen, wie dieses hochkomplexe System aufgebaut ist und funktioniert.
Dieses Gefühl ist überwältigend. Und gleichzeitig holt einen plötzlich die Realisation ein: Du schaust befremdet in den Körper eines Menschen, der einmal genauso gelebt hat wie man selbst. Und dann wird das nächste Organ aufgeschnitten und man ist wieder mitten im wissenschaftlichen Prozess des Erforschens. Man beginnt, sein eigenes Leben mehr zu schätzen. Denn in diesem Moment wird einem bewusst: Wir haben die Möglichkeit, zu lernen und diese faszinierende Welt des menschlichen Organismus zu entdecken – und gleichzeitig sind wir diejenigen, die noch auf der anderen Seite dieses Tisches stehen.
Sofiia Oliinyk, M9626

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